
Törnplanung 2025 ohne neue Imray-Karten organisieren
Imray, der britische Fachverlag für Sportschifffahrt und Revierinformationen, hat in einer eigenen Mitteilung angekündigt, die Veröffentlichung neuer gedruckter Seekarten schrittweise zu beenden. Bereits vorhandene Karten sollen laut Verlag noch bis zur Segelsaison 2025 über die „Notices to Mariners“ unterstützt werden, danach erscheinen keine neuen Ausgaben mehr. Für Fahrten in Teilen des Mittelmeers, an der Atlantikküste Europas und in klassischen Blauwasserrevieren verändert das die Törnplanung spürbar, weil Imray dort für viele Crews lange zum Standardbestand gehörte.
Die Nachricht bedeutet allerdings kein sofortiges Ende jeder Papiernavigation. Vorhandene Blätter bleiben als Arbeitsgrundlage brauchbar, wenn der Törnrahmen passt, Korrekturen eingearbeitet sind und die Route keine stark veränderlichen Bereiche berührt. Das eigentliche Problem liegt woanders: Ein bisher eingespieltes System aus Karte, Revierführer und handschriftlicher Planung verliert seine regelmäßige Erneuerung.
Warum der Rückzug mehr ist als eine Verlagsmeldung
Imray verkauft nicht nur Karten, sondern verknüpft seit Jahrzehnten Papierprodukte mit Revierwissen für Yachten und kleinere Motorboote. Gerade in Revieren mit vielen Ankerbuchten, kleinen Häfen und saisonalen Besonderheiten entstand daraus ein Arbeitsablauf, der an Bord schnell und robust funktionierte. Fällt die Neuauflage weg, verschiebt sich die Verantwortung stärker zur Crew: Daten prüfen, Quellen abgleichen, Änderungen laufend nachführen.
Besonders relevant wird das in Küstenzonen mit Baggerarbeiten, neuen Sperrgebieten oder geänderten Tonnenstrichen. Wer sich bisher auf eine frisch gekaufte Ausgabe verlassen konnte, muss nun genauer unterscheiden zwischen Basisinformation und aktueller Lage. Eine ergänzende Einordnung zum Thema findet sich hier: Wenn Imray keine Papierseekarten mehr neu auflegt.
Der größte Fehler liegt nicht bei der Papierkarte
Die riskanteste Reaktion besteht darin, den Kartenwechsel als bloßen Einkaufsakt zu behandeln. Ein anderer Verlag oder ein Plotterabo ersetzt noch kein verlässliches Planungssystem, weil Maßstäbe, Symbolik, Abdeckung und Aktualisierungswege je nach Anbieter stark abweichen. Teams, die 2025 längere Reisen vorbereiten, brauchen zuerst eine Revierliste mit Prioritäten: Wo liegt die Route, welche Abschnitte ändern sich häufig, welche Informationen müssen kurz vor Abfahrt erneut geprüft werden?
Für Motorbootfahrer kommt ein weiterer Punkt hinzu. Flachwasser, Brückenöffnungszeiten, Fahrwasserverlegungen und lokale Geschwindigkeitsregeln greifen oft enger in den Tagesablauf ein als auf einer Segelyacht. Wer Reichweite und Treibstofffenster sauber kalkuliert, reduziert das Risiko von Umwegen, Wartezeiten und Ausweichhäfen.
So entsteht ein belastbarer Plan für 2025
Eine robuste Vorbereitung kombiniert mehrere Quellen mit klaren Zuständigkeiten an Bord. Der Plotter liefert die laufende Navigation, Papier dient als Überblick und Rückfallebene, Revierführer ergänzen lokale Hinweise. Entscheidend ist die Reihenfolge, in der diese Bausteine genutzt werden.
- Route in Etappen festlegen und für jede Etappe die maßgebliche Primärquelle bestimmen.
- Amtliche Berichtigungen, Hafenmeldungen und Bekanntmachungen des Zielreviers getrennt erfassen.
- Vorhandene Papierkarten auf Aktualität und Korrekturstand prüfen.
- Digitale Karten mit Papiermaßstäben und Hafenplänen abgleichen.
- Für kritische Passagen Ausweichhäfen und tideunabhängige Alternativen festlegen.
Damit entsteht kein doppelter Aufwand, sondern ein anderes Sicherheitsnetz. Wer etwa durch enge Passagen oder in strömungsstarken Zonen unterwegs ist, profitiert von einem Papierüberblick, auch wenn der eigentliche Kurs elektronisch verfolgt wird. Das bekannte Video aus dem Kanal von Osor zeigt, wie stark lokale Bedingungen selbst bei laufendem Motor die Lage verändern können; gerade dort zählt eine sauber vorbereitete Alternativroute.
Welche Reviere jetzt zuerst überprüft werden sollten
Dringend ist die Neuordnung vor allem dort, wo Imray traditionell stark war und wo sich Infrastruktur schnell verändert. Dazu gehören Teile Griechenlands, der Türkei, Kroatiens, Spaniens, Portugals sowie Abschnitte der französischen Atlantikküste und außereuropäische Langfahrtreviere. Für diese Gebiete reicht es 2025 oft nicht, nur den Kartenbestand zu ergänzen; die gesamte Informationskette braucht einen Belastungstest.
Wer Charterflotten betreibt, Ausbildungstörns organisiert oder Vereinsfahrten plant, sollte zusätzlich die Lehrunterlagen anpassen. Sobald in Bordmappen noch alte Blattnummern, überholte Bezugssysteme oder frühere Routinen stehen, wächst die Verwechslungsgefahr. Der sauberste Schritt liegt deshalb in einer vollständigen Durchsicht aller Planungsunterlagen vor Saisonbeginn.
Die eigentliche Zäsur liegt weniger im Papier selbst als im Ende einer vertrauten Aktualisierungslogik. 2025 gehört die beste Aufmerksamkeit jenen Bordakten, in denen jede Quelle, jeder Korrekturstand und jede Ausweichoption klar nachvollziehbar dokumentiert ist.
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