Schifffahrtsrecht einfach erklärt
Lerne die wichtigsten Fahr-, Ausweich- und Verhaltensregeln für Binnenschifffahrtsstraßen, Seeschifffahrtsstraßen und den Bodensee. Verständliche Erklärungen und schematische Darstellungen helfen dir bei der Vorbereitung auf SBF Binnen, SBF See und das Bodenseeschifferpatent.
Welche Vorschriften gelten auf welchem Gewässer?
Schifffahrtsrecht ist kein einziges Regelwerk. Entscheidend ist, in welchem Fahrtgebiet du unterwegs bist. Zusätzlich können regionale Vorschriften, Bekanntmachungen und Anordnungen gelten.
Binnenschifffahrtsstraßen
Auf vielen Bundeswasserstraßen gilt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung. Auf Rhein, Mosel und Donau gelten teilweise eigene Polizeiverordnungen und zusätzliche örtliche Regeln.
Amtliches Binnenschifffahrtsrecht bei ELWISSeeschifffahrtsstraßen
Im Seebereich greifen insbesondere die internationalen Kollisionsverhütungsregeln und die deutsche Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung. Örtliche Bekanntmachungen können die allgemeinen Regeln ergänzen.
Kollisionsverhütungsregeln bei ELWISBodensee
Auf dem Bodensee gilt die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung. Sie enthält eigene Fahr-, Ausrüstungs-, Zulassungs- und Verhaltensregeln, die du gezielt für das Bodenseeschifferpatent lernen solltest.
Bodenseeschifferpatent vorbereitenPflichten des Schiffsführers
Der Schiffsführer trägt die Verantwortung für die sichere Führung des Fahrzeugs. Er muss die geltenden Vorschriften kennen, die Fahrt den Umständen anpassen und Gefahren für Menschen, Fahrzeuge, Anlagen und die Umwelt vermeiden.
Sorgfaltspflicht
Fahre aufmerksam, vorausschauend und so, dass weder Menschen gefährdet noch andere Fahrzeuge, Ufer oder Anlagen beschädigt werden.
Fahrtüchtigkeit
Wer durch Alkohol, andere berauschende Mittel, Krankheit, Übermüdung oder sonstige Einschränkungen nicht sicher führen kann, darf das Fahrzeug nicht führen.
Ausrüstung und Besatzung
Das Boot muss für Fahrtgebiet und Bedingungen geeignet ausgerüstet sein. Alle Personen an Bord sollten über sicherheitsrelevante Abläufe informiert sein.
Besondere Umstände
Zur Abwehr einer unmittelbaren Gefahr kann es erforderlich sein, von einer normalen Regel abzuweichen. Sicherheit hat dabei Vorrang.
Wichtige Fahrregeln auf Binnenschifffahrtsstraßen
Auf Binnenwasserstraßen teilen sich Sportboote den Verkehrsraum mit Berufsschifffahrt, Fahrgastschiffen, Fähren, Verbänden, Ruder- und Segelfahrzeugen. Kleinfahrzeuge müssen besonders darauf achten, den übrigen Verkehr nicht zu behindern.
Kleinfahrzeuge und größere Fahrzeuge
Kleinfahrzeuge müssen anderen Fahrzeugen den für Kurs und Manöver notwendigen Raum lassen. Verlasse dich nicht darauf, dass ein großes Fahrzeug kurzfristig ausweichen oder stoppen kann.
Kleinfahrzeuge untereinander
Ein Kleinfahrzeug mit Maschinenantrieb muss einem Kleinfahrzeug ohne Maschinenantrieb ausweichen. Ein Fahrzeug, das weder unter Maschine noch unter Segel fährt, muss einem Segelfahrzeug ausweichen.
Segelfahrzeuge untereinander
Bei Wind von verschiedenen Seiten weicht das Fahrzeug mit Wind von Backbord aus. Kommt der Wind von derselben Seite, weicht das luvwärtige Fahrzeug dem leewärtigen aus. Ist die Windseite nicht sicher erkennbar, muss entsprechend vorsichtig gehandelt werden.
Begegnen und Kreuzen
Kurs und Geschwindigkeit müssen frühzeitig so gewählt werden, dass eine sichere Begegnung möglich ist. In Engstellen, an Brücken oder in unübersichtlichen Bereichen können besondere Vorrang-, Warte- und Signalregeln gelten.
Überholen
Überhole nur, wenn ausreichend Raum vorhanden ist und das Manöver ohne Gefahr durchgeführt werden kann. Der Überholende trägt die Verantwortung dafür, genügend Abstand zu halten.
Geschwindigkeit, Sog und Wellenschlag
Passe deine Geschwindigkeit an Verkehr, Sicht, Fahrwasser und Ufernähe an. In gekennzeichneten Bereichen und in der Nähe von Liegestellen, Baustellen oder kleinen Fahrzeugen sind schädlicher Sog und Wellenschlag zu vermeiden.
Ankern, Festmachen und Stillliegen
Liege nur dort still, wo weder die Schifffahrt noch Anlagen oder Zufahrten behindert werden. Verbotszeichen, Schutzbereiche, Fahrwasser und lokale Anordnungen sind zu beachten.
Schleusen und Brücken
Beachte Lichtzeichen, Anweisungen der Schleusenaufsicht und örtliche Regeln. Fahre langsam ein, halte ausreichend Abstand und sichere das Boot so, dass es den Wasserstandsänderungen folgen kann.
Vereinfachte Merkhilfe für Kleinfahrzeuge untereinander. Gegenüber der übrigen Schifffahrt und in besonderen Situationen gelten zusätzliche Regeln.
Typische Binnen-Situationen
Die folgenden Grafiken sind schematische Lernhilfen. Sie ersetzen weder amtliche Darstellungen noch die Prüfung des konkreten Fahrtgebiets.
Motor und Segel
Unter Kleinfahrzeugen muss das motorisierte Fahrzeug dem Segelfahrzeug ausweichen. Das Manöver soll frühzeitig und eindeutig sein.
Schematische DarstellungKleinfahrzeug und Berufsschifffahrt
Halte dich aus dem Kurs- und Manövrierraum größerer Fahrzeuge heraus. Tiefgang, Strömung und langer Bremsweg begrenzen deren Möglichkeiten.
Schematische DarstellungSog und Wellenschlag
Reduziere rechtzeitig die Geschwindigkeit, damit Ufer, Anlagen, festgemachte Boote und kleine Fahrzeuge nicht gefährdet werden.
Schematische DarstellungAusweich- und Fahrregeln auf See
Die Kollisionsverhütungsregeln gelten international und bauen auf ständiger Aufmerksamkeit, sicherer Geschwindigkeit und frühzeitigem, deutlichem Handeln auf. Die deutsche SeeSchStrO ergänzt sie auf Seeschifffahrtsstraßen.
Ausguck und sichere Geschwindigkeit
Halte jederzeit einen wirksamen Ausguck durch Sehen, Hören und alle verfügbaren Mittel. Die Geschwindigkeit muss zu Sicht, Verkehr, Manövrierfähigkeit, Wind, Seegang und Wassertiefe passen.
Kollisionsgefahr erkennen
Nähert sich ein anderes Fahrzeug bei nahezu gleichbleibender Peilung, kann Kollisionsgefahr bestehen. Bei Unsicherheit ist von Gefahr auszugehen und entsprechend zu handeln.
Frühzeitig und durchgreifend handeln
Kurs- oder Geschwindigkeitsänderungen sollen rechtzeitig, deutlich und für andere Fahrzeuge erkennbar sein. Viele kleine Änderungen sind zu vermeiden.
Manöver kontrollieren
Nach einem Ausweichmanöver musst du weiter beobachten, ob die Annäherung tatsächlich sicher beendet ist und genügend Abstand bleibt.
Die wichtigsten Begegnungssituationen nach KVR
Entgegengesetzte Kurse
Nähern sich zwei Maschinenfahrzeuge frontal oder fast frontal mit Kollisionsgefahr, ändern beide ihren Kurs nach Steuerbord und passieren einander an Backbord.
KVR Regel 14 · schematischKreuzende Kurse
Bei zwei Maschinenfahrzeugen weicht das Fahrzeug aus, das das andere an seiner Steuerbordseite hat. Wenn möglich, kreuzt es nicht vor dessen Bug.
KVR Regel 15 · schematischÜberholen
Jedes überholende Fahrzeug muss sich vom überholten Fahrzeug freihalten. Diese Pflicht bleibt bestehen, bis das Manöver endgültig beendet ist.
KVR Regel 13 · schematischWeitere wichtige Regeln auf See
Segelfahrzeuge
Bei verschiedenen Windseiten weicht das Fahrzeug mit Wind von Backbord aus. Bei derselben Windseite weicht das luvwärtige Fahrzeug dem leewärtigen aus.
Enge Fahrwasser
Halte dich, soweit sicher und möglich, nahe der äußeren Begrenzung an deiner Steuerbordseite. Kleine Fahrzeuge und Segler dürfen Fahrzeuge, die nur im Fahrwasser sicher fahren können, nicht behindern.
Verantwortlichkeit der Fahrzeuge
Maschinenfahrzeuge müssen sich in vielen Situationen unter anderem von manövrierunfähigen, manövrierbehinderten, fischenden und segelnden Fahrzeugen freihalten. Die genaue Einordnung hängt vom Fahrzeugzustand und der Situation ab.
Verminderte Sicht
Fahre mit angepasster Geschwindigkeit, halte die Maschine manöverbereit und nutze alle verfügbaren Mittel. Schallsignale und besondere Regeln für nicht gegenseitig sichtbare Fahrzeuge sind zu beachten.
Lichter und Signalkörper
Fahrzeugart, Tätigkeit und Zustand werden bei Nacht durch Lichter und am Tage teilweise durch Signalkörper angezeigt. Ihre richtige Deutung ist ein zentraler Teil der SBF-See-Prüfung.
Schifffahrtszeichen und Signale lernenFahrwasser nach SeeSchStrO
Auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen gelten ergänzende Regeln zu Rechtsfahrgebot, Überholen, Begegnen, Fahrwasservorfahrt, Geschwindigkeit, Brücken und Schleusen.
Regeln, die in jedem Fahrtgebiet wichtig sind
Abstand halten
Halte genügend Abstand zu Fahrzeugen, Badenden, Ufern, Anlagen, Arbeitsstellen und gekennzeichneten Gefahrenbereichen.
Umwelt schützen
Vermeide Verunreinigungen, unnötigen Lärm, Wellenschlag und Schäden an Ufer- und Schilfzonen. Abfälle und Betriebsstoffe gehören nicht ins Wasser.
Notfällen helfen
Wer ohne erhebliche eigene Gefahr helfen kann, muss Menschen in Not unterstützen und erforderliche Rettungsmaßnahmen einleiten.
Aktuelle Informationen prüfen
Informiere dich über Sperrungen, Wasserstände, örtliche Hinweise, Wetter, Sicht und andere Bedingungen, die die sichere Fahrt beeinflussen.
Schifffahrtsrecht wird durch Zeichen konkret
Tafelzeichen können Fahrregeln verbieten, vorschreiben oder einschränken. Die folgenden amtlichen ELWIS-Abbildungen zeigen typische Beispiele.

A.1
Verbot der Durchfahrt
Die Durchfahrt ist gesperrt. Zusätzliche Lichtzeichen oder Anweisungen sind zu beachten.

A.6
Ankerverbot
In dem gekennzeichneten Bereich darf nicht geankert werden.

A.9
Sog und Wellenschlag vermeiden
Geschwindigkeit und Fahrweise müssen so angepasst werden, dass keine schädlichen Wellen entstehen.

B.5
Anhalten
Vor dem Zeichen muss angehalten werden, bis die Weiterfahrt erlaubt oder sicher möglich ist.

B.7
Schallsignal geben
An dieser Stelle ist das vorgeschriebene Schallsignal abzugeben.

B.8
Besondere Vorsicht
Fahre aufmerksam, mit angepasster Geschwindigkeit und erhöhter Bereitschaft zum Manövrieren.
Schifffahrtsrecht in der Prüfung
In den Prüfungsfragen werden Regeln häufig auf konkrete Situationen angewendet. Du solltest deshalb nicht nur einzelne Merksätze kennen, sondern erkennen, welches Regelwerk und welche Ausweichpflicht gilt.
SBF Binnen
Geprüft werden unter anderem Kleinfahrzeugregeln, Begegnung, Überholen, Schleusen, Fahrwasser, Schifffahrtszeichen und Pflichten des Schiffsführers.
SBF-Binnen Prüfung vorbereitenSBF See
Im Mittelpunkt stehen KVR, SeeSchStrO, Ausweichsituationen, Fahrwasserregeln, Lichter, Signale und sichere Schiffsführung.
SBF-See Prüfung vorbereitenBodenseeschifferpatent
Hier gelten eigene Vorschriften zu Fahrregeln, Schifffahrtszeichen, Schutzbereichen, Sturmwarnung und Verhalten auf dem Bodensee.
Bodenseeschifferpatent vorbereitenFunkzeugnisse
Funkverfahren ergänzen die sichere Schiffsführung. UBI, SRC und LRC behandeln unter anderem Routine-, Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr.
UBI, SRC und LRC vorbereitenSo lernst du Schifffahrtsrecht effektiver
Regel und Situation verbinden
Lerne nicht nur den Wortlaut. Stelle dir vor, welche Fahrzeuge sich wie nähern und welche Handlung die Gefahr sicher beendet.
Binnen und See trennen
Achte darauf, ob eine Frage nach BinSchStrO, KVR, SeeSchStrO oder einer besonderen Revierregel beantwortet werden muss.
Skizzen zeichnen
Zeichne bei Begegnungsfragen Kurse, Steuerbord, Backbord und die geplante Kursänderung ein. Das reduziert typische Verwechslungen.
Mit Fragen wiederholen
Bearbeite ähnliche Situationen in wechselnder Reihenfolge und prüfe, ob du die Regel auch bei veränderter Perspektive erkennst.
Schifffahrtsrecht mit Onboard lernen
Verbinde verständliche Erklärungen mit passenden Prüfungsfragen. Wiederhole gezielt schwierige Regeln und teste dein Wissen in realistischen Prüfungssimulationen.
Nach Abschluss des Abonnements beginnt die 3-tägige Testphase. Bei Kündigung innerhalb der Testphase fallen keine Kosten an.
Häufige Fragen zum Schifffahrtsrecht
Gelten auf Binnen und See dieselben Ausweichregeln?
Nein. Es gibt ähnliche Grundgedanken, aber unterschiedliche Regelwerke und Detailregeln. Entscheidend ist immer das Fahrtgebiet.
Hat die Berufsschifffahrt immer Vorfahrt?
Die Aussage ist zu pauschal. Kleinfahrzeuge müssen der übrigen Schifffahrt den nötigen Kurs- und Manövrierraum lassen. Daneben gelten die konkreten Begegnungs-, Fahrwasser- und örtlichen Regeln.
Was bedeutet „kurshaltepflichtig“?
Das Fahrzeug soll Kurs und Geschwindigkeit zunächst beibehalten, damit das ausweichpflichtige Fahrzeug eindeutig planen kann. Es muss dennoch aufmerksam bleiben und bei Bedarf zur Kollisionsvermeidung handeln.
Wann besteht Kollisionsgefahr?
Ein wichtiges Warnzeichen ist eine nahezu gleichbleibende Peilung bei abnehmender Entfernung. Im Zweifel ist von Kollisionsgefahr auszugehen.
Wo finde ich aktuelle Sperrungen und Hinweise?
Für Bundeswasserstraßen veröffentlicht ELWIS unter anderem Verkehrsinformationen, Schleuseninformationen, Bekanntmachungen und wasserstraßenbezogene Hinweise.
Reicht diese Seite für die Prüfung?
Sie hilft beim Verstehen zentraler Regeln. Für die vollständige Vorbereitung solltest du zusätzlich die offiziellen Prüfungsfragen, alle prüfungsrelevanten Themen und Prüfungssimulationen bearbeiten.
Quellen und rechtlicher Hinweis
Die Inhalte dienen der verständlichen Prüfungsvorbereitung und stellen keine Rechtsberatung dar. Rechtsverbindlich sind ausschließlich die jeweils geltenden Rechtsvorschriften, amtlichen Bekanntmachungen und Anordnungen der zuständigen Behörden.
Die eingebundenen Schifffahrtszeichen stammen unverändert aus dem amtlichen ELWIS-Downloadbereich. Die schematischen Verkehrsgrafiken auf dieser Seite sind eigene Lernillustrationen und keine amtlichen Abbildungen.
Amtliche Quellen: Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, Kollisionsverhütungsregeln, Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, ELWIS-Schifffahrtszeichen und ELWIS-Sportbootführerscheine.
Schifffahrtsrecht einfach erklärt
Lerne die wichtigsten Fahr-, Ausweich- und Verhaltensregeln für Binnenschifffahrtsstraßen, Seeschifffahrtsstraßen und den Bodensee. Verständliche Erklärungen und schematische Darstellungen helfen dir bei der Vorbereitung auf SBF Binnen, SBF See und das Bodenseeschifferpatent.
Welche Vorschriften gelten auf welchem Gewässer?
Schifffahrtsrecht ist kein einziges Regelwerk. Entscheidend ist, in welchem Fahrtgebiet du unterwegs bist. Zusätzlich können regionale Vorschriften, Bekanntmachungen und Anordnungen gelten.
Binnenschifffahrtsstraßen
Auf vielen Bundeswasserstraßen gilt die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung. Auf Rhein, Mosel und Donau gelten teilweise eigene Polizeiverordnungen und zusätzliche örtliche Regeln.
Amtliches Binnenschifffahrtsrecht bei ELWISSeeschifffahrtsstraßen
Im Seebereich greifen insbesondere die internationalen Kollisionsverhütungsregeln und die deutsche Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung. Örtliche Bekanntmachungen können die allgemeinen Regeln ergänzen.
Kollisionsverhütungsregeln bei ELWISBodensee
Auf dem Bodensee gilt die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung. Sie enthält eigene Fahr-, Ausrüstungs-, Zulassungs- und Verhaltensregeln, die du gezielt für das Bodenseeschifferpatent lernen solltest.
Bodenseeschifferpatent vorbereitenPflichten des Schiffsführers
Der Schiffsführer trägt die Verantwortung für die sichere Führung des Fahrzeugs. Er muss die geltenden Vorschriften kennen, die Fahrt den Umständen anpassen und Gefahren für Menschen, Fahrzeuge, Anlagen und die Umwelt vermeiden.
Sorgfaltspflicht
Fahre aufmerksam, vorausschauend und so, dass weder Menschen gefährdet noch andere Fahrzeuge, Ufer oder Anlagen beschädigt werden.
Fahrtüchtigkeit
Wer durch Alkohol, andere berauschende Mittel, Krankheit, Übermüdung oder sonstige Einschränkungen nicht sicher führen kann, darf das Fahrzeug nicht führen.
Ausrüstung und Besatzung
Das Boot muss für Fahrtgebiet und Bedingungen geeignet ausgerüstet sein. Alle Personen an Bord sollten über sicherheitsrelevante Abläufe informiert sein.
Besondere Umstände
Zur Abwehr einer unmittelbaren Gefahr kann es erforderlich sein, von einer normalen Regel abzuweichen. Sicherheit hat dabei Vorrang.
Wichtige Fahrregeln auf Binnenschifffahrtsstraßen
Auf Binnenwasserstraßen teilen sich Sportboote den Verkehrsraum mit Berufsschifffahrt, Fahrgastschiffen, Fähren, Verbänden, Ruder- und Segelfahrzeugen. Kleinfahrzeuge müssen besonders darauf achten, den übrigen Verkehr nicht zu behindern.
Kleinfahrzeuge und größere Fahrzeuge
Kleinfahrzeuge müssen anderen Fahrzeugen den für Kurs und Manöver notwendigen Raum lassen. Verlasse dich nicht darauf, dass ein großes Fahrzeug kurzfristig ausweichen oder stoppen kann.
Kleinfahrzeuge untereinander
Ein Kleinfahrzeug mit Maschinenantrieb muss einem Kleinfahrzeug ohne Maschinenantrieb ausweichen. Ein Fahrzeug, das weder unter Maschine noch unter Segel fährt, muss einem Segelfahrzeug ausweichen.
Segelfahrzeuge untereinander
Bei Wind von verschiedenen Seiten weicht das Fahrzeug mit Wind von Backbord aus. Kommt der Wind von derselben Seite, weicht das luvwärtige Fahrzeug dem leewärtigen aus. Ist die Windseite nicht sicher erkennbar, muss entsprechend vorsichtig gehandelt werden.
Begegnen und Kreuzen
Kurs und Geschwindigkeit müssen frühzeitig so gewählt werden, dass eine sichere Begegnung möglich ist. In Engstellen, an Brücken oder in unübersichtlichen Bereichen können besondere Vorrang-, Warte- und Signalregeln gelten.
Überholen
Überhole nur, wenn ausreichend Raum vorhanden ist und das Manöver ohne Gefahr durchgeführt werden kann. Der Überholende trägt die Verantwortung dafür, genügend Abstand zu halten.
Geschwindigkeit, Sog und Wellenschlag
Passe deine Geschwindigkeit an Verkehr, Sicht, Fahrwasser und Ufernähe an. In gekennzeichneten Bereichen und in der Nähe von Liegestellen, Baustellen oder kleinen Fahrzeugen sind schädlicher Sog und Wellenschlag zu vermeiden.
Ankern, Festmachen und Stillliegen
Liege nur dort still, wo weder die Schifffahrt noch Anlagen oder Zufahrten behindert werden. Verbotszeichen, Schutzbereiche, Fahrwasser und lokale Anordnungen sind zu beachten.
Schleusen und Brücken
Beachte Lichtzeichen, Anweisungen der Schleusenaufsicht und örtliche Regeln. Fahre langsam ein, halte ausreichend Abstand und sichere das Boot so, dass es den Wasserstandsänderungen folgen kann.
Vereinfachte Merkhilfe für Kleinfahrzeuge untereinander. Gegenüber der übrigen Schifffahrt und in besonderen Situationen gelten zusätzliche Regeln.
Typische Binnen-Situationen
Die folgenden Grafiken sind schematische Lernhilfen. Sie ersetzen weder amtliche Darstellungen noch die Prüfung des konkreten Fahrtgebiets.
Motor und Segel
Unter Kleinfahrzeugen muss das motorisierte Fahrzeug dem Segelfahrzeug ausweichen. Das Manöver soll frühzeitig und eindeutig sein.
Schematische DarstellungKleinfahrzeug und Berufsschifffahrt
Halte dich aus dem Kurs- und Manövrierraum größerer Fahrzeuge heraus. Tiefgang, Strömung und langer Bremsweg begrenzen deren Möglichkeiten.
Schematische DarstellungSog und Wellenschlag
Reduziere rechtzeitig die Geschwindigkeit, damit Ufer, Anlagen, festgemachte Boote und kleine Fahrzeuge nicht gefährdet werden.
Schematische DarstellungAusweich- und Fahrregeln auf See
Die Kollisionsverhütungsregeln gelten international und bauen auf ständiger Aufmerksamkeit, sicherer Geschwindigkeit und frühzeitigem, deutlichem Handeln auf. Die deutsche SeeSchStrO ergänzt sie auf Seeschifffahrtsstraßen.
Ausguck und sichere Geschwindigkeit
Halte jederzeit einen wirksamen Ausguck durch Sehen, Hören und alle verfügbaren Mittel. Die Geschwindigkeit muss zu Sicht, Verkehr, Manövrierfähigkeit, Wind, Seegang und Wassertiefe passen.
Kollisionsgefahr erkennen
Nähert sich ein anderes Fahrzeug bei nahezu gleichbleibender Peilung, kann Kollisionsgefahr bestehen. Bei Unsicherheit ist von Gefahr auszugehen und entsprechend zu handeln.
Frühzeitig und durchgreifend handeln
Kurs- oder Geschwindigkeitsänderungen sollen rechtzeitig, deutlich und für andere Fahrzeuge erkennbar sein. Viele kleine Änderungen sind zu vermeiden.
Manöver kontrollieren
Nach einem Ausweichmanöver musst du weiter beobachten, ob die Annäherung tatsächlich sicher beendet ist und genügend Abstand bleibt.
Die wichtigsten Begegnungssituationen nach KVR
Entgegengesetzte Kurse
Nähern sich zwei Maschinenfahrzeuge frontal oder fast frontal mit Kollisionsgefahr, ändern beide ihren Kurs nach Steuerbord und passieren einander an Backbord.
KVR Regel 14 · schematischKreuzende Kurse
Bei zwei Maschinenfahrzeugen weicht das Fahrzeug aus, das das andere an seiner Steuerbordseite hat. Wenn möglich, kreuzt es nicht vor dessen Bug.
KVR Regel 15 · schematischÜberholen
Jedes überholende Fahrzeug muss sich vom überholten Fahrzeug freihalten. Diese Pflicht bleibt bestehen, bis das Manöver endgültig beendet ist.
KVR Regel 13 · schematischWeitere wichtige Regeln auf See
Segelfahrzeuge
Bei verschiedenen Windseiten weicht das Fahrzeug mit Wind von Backbord aus. Bei derselben Windseite weicht das luvwärtige Fahrzeug dem leewärtigen aus.
Enge Fahrwasser
Halte dich, soweit sicher und möglich, nahe der äußeren Begrenzung an deiner Steuerbordseite. Kleine Fahrzeuge und Segler dürfen Fahrzeuge, die nur im Fahrwasser sicher fahren können, nicht behindern.
Verantwortlichkeit der Fahrzeuge
Maschinenfahrzeuge müssen sich in vielen Situationen unter anderem von manövrierunfähigen, manövrierbehinderten, fischenden und segelnden Fahrzeugen freihalten. Die genaue Einordnung hängt vom Fahrzeugzustand und der Situation ab.
Verminderte Sicht
Fahre mit angepasster Geschwindigkeit, halte die Maschine manöverbereit und nutze alle verfügbaren Mittel. Schallsignale und besondere Regeln für nicht gegenseitig sichtbare Fahrzeuge sind zu beachten.
Lichter und Signalkörper
Fahrzeugart, Tätigkeit und Zustand werden bei Nacht durch Lichter und am Tage teilweise durch Signalkörper angezeigt. Ihre richtige Deutung ist ein zentraler Teil der SBF-See-Prüfung.
Schifffahrtszeichen und Signale lernenFahrwasser nach SeeSchStrO
Auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen gelten ergänzende Regeln zu Rechtsfahrgebot, Überholen, Begegnen, Fahrwasservorfahrt, Geschwindigkeit, Brücken und Schleusen.
Regeln, die in jedem Fahrtgebiet wichtig sind
Abstand halten
Halte genügend Abstand zu Fahrzeugen, Badenden, Ufern, Anlagen, Arbeitsstellen und gekennzeichneten Gefahrenbereichen.
Umwelt schützen
Vermeide Verunreinigungen, unnötigen Lärm, Wellenschlag und Schäden an Ufer- und Schilfzonen. Abfälle und Betriebsstoffe gehören nicht ins Wasser.
Notfällen helfen
Wer ohne erhebliche eigene Gefahr helfen kann, muss Menschen in Not unterstützen und erforderliche Rettungsmaßnahmen einleiten.
Aktuelle Informationen prüfen
Informiere dich über Sperrungen, Wasserstände, örtliche Hinweise, Wetter, Sicht und andere Bedingungen, die die sichere Fahrt beeinflussen.
Schifffahrtsrecht wird durch Zeichen konkret
Tafelzeichen können Fahrregeln verbieten, vorschreiben oder einschränken. Die folgenden amtlichen ELWIS-Abbildungen zeigen typische Beispiele.

A.1
Verbot der Durchfahrt
Die Durchfahrt ist gesperrt. Zusätzliche Lichtzeichen oder Anweisungen sind zu beachten.

A.6
Ankerverbot
In dem gekennzeichneten Bereich darf nicht geankert werden.

A.9
Sog und Wellenschlag vermeiden
Geschwindigkeit und Fahrweise müssen so angepasst werden, dass keine schädlichen Wellen entstehen.

B.5
Anhalten
Vor dem Zeichen muss angehalten werden, bis die Weiterfahrt erlaubt oder sicher möglich ist.

B.7
Schallsignal geben
An dieser Stelle ist das vorgeschriebene Schallsignal abzugeben.

B.8
Besondere Vorsicht
Fahre aufmerksam, mit angepasster Geschwindigkeit und erhöhter Bereitschaft zum Manövrieren.
Schifffahrtsrecht in der Prüfung
In den Prüfungsfragen werden Regeln häufig auf konkrete Situationen angewendet. Du solltest deshalb nicht nur einzelne Merksätze kennen, sondern erkennen, welches Regelwerk und welche Ausweichpflicht gilt.
SBF Binnen
Geprüft werden unter anderem Kleinfahrzeugregeln, Begegnung, Überholen, Schleusen, Fahrwasser, Schifffahrtszeichen und Pflichten des Schiffsführers.
SBF-Binnen Prüfung vorbereitenSBF See
Im Mittelpunkt stehen KVR, SeeSchStrO, Ausweichsituationen, Fahrwasserregeln, Lichter, Signale und sichere Schiffsführung.
SBF-See Prüfung vorbereitenBodenseeschifferpatent
Hier gelten eigene Vorschriften zu Fahrregeln, Schifffahrtszeichen, Schutzbereichen, Sturmwarnung und Verhalten auf dem Bodensee.
Bodenseeschifferpatent vorbereitenFunkzeugnisse
Funkverfahren ergänzen die sichere Schiffsführung. UBI, SRC und LRC behandeln unter anderem Routine-, Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr.
UBI, SRC und LRC vorbereitenSo lernst du Schifffahrtsrecht effektiver
Regel und Situation verbinden
Lerne nicht nur den Wortlaut. Stelle dir vor, welche Fahrzeuge sich wie nähern und welche Handlung die Gefahr sicher beendet.
Binnen und See trennen
Achte darauf, ob eine Frage nach BinSchStrO, KVR, SeeSchStrO oder einer besonderen Revierregel beantwortet werden muss.
Skizzen zeichnen
Zeichne bei Begegnungsfragen Kurse, Steuerbord, Backbord und die geplante Kursänderung ein. Das reduziert typische Verwechslungen.
Mit Fragen wiederholen
Bearbeite ähnliche Situationen in wechselnder Reihenfolge und prüfe, ob du die Regel auch bei veränderter Perspektive erkennst.
Schifffahrtsrecht mit Onboard lernen
Verbinde verständliche Erklärungen mit passenden Prüfungsfragen. Wiederhole gezielt schwierige Regeln und teste dein Wissen in realistischen Prüfungssimulationen.
Nach Abschluss des Abonnements beginnt die 3-tägige Testphase. Bei Kündigung innerhalb der Testphase fallen keine Kosten an.
Häufige Fragen zum Schifffahrtsrecht
Gelten auf Binnen und See dieselben Ausweichregeln?
Nein. Es gibt ähnliche Grundgedanken, aber unterschiedliche Regelwerke und Detailregeln. Entscheidend ist immer das Fahrtgebiet.
Hat die Berufsschifffahrt immer Vorfahrt?
Die Aussage ist zu pauschal. Kleinfahrzeuge müssen der übrigen Schifffahrt den nötigen Kurs- und Manövrierraum lassen. Daneben gelten die konkreten Begegnungs-, Fahrwasser- und örtlichen Regeln.
Was bedeutet „kurshaltepflichtig“?
Das Fahrzeug soll Kurs und Geschwindigkeit zunächst beibehalten, damit das ausweichpflichtige Fahrzeug eindeutig planen kann. Es muss dennoch aufmerksam bleiben und bei Bedarf zur Kollisionsvermeidung handeln.
Wann besteht Kollisionsgefahr?
Ein wichtiges Warnzeichen ist eine nahezu gleichbleibende Peilung bei abnehmender Entfernung. Im Zweifel ist von Kollisionsgefahr auszugehen.
Wo finde ich aktuelle Sperrungen und Hinweise?
Für Bundeswasserstraßen veröffentlicht ELWIS unter anderem Verkehrsinformationen, Schleuseninformationen, Bekanntmachungen und wasserstraßenbezogene Hinweise.
Reicht diese Seite für die Prüfung?
Sie hilft beim Verstehen zentraler Regeln. Für die vollständige Vorbereitung solltest du zusätzlich die offiziellen Prüfungsfragen, alle prüfungsrelevanten Themen und Prüfungssimulationen bearbeiten.
Quellen und rechtlicher Hinweis
Die Inhalte dienen der verständlichen Prüfungsvorbereitung und stellen keine Rechtsberatung dar. Rechtsverbindlich sind ausschließlich die jeweils geltenden Rechtsvorschriften, amtlichen Bekanntmachungen und Anordnungen der zuständigen Behörden.
Die eingebundenen Schifffahrtszeichen stammen unverändert aus dem amtlichen ELWIS-Downloadbereich. Die schematischen Verkehrsgrafiken auf dieser Seite sind eigene Lernillustrationen und keine amtlichen Abbildungen.
Amtliche Quellen: Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, Kollisionsverhütungsregeln, Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, ELWIS-Schifffahrtszeichen und ELWIS-Sportbootführerscheine.

